Jenny Bartsch Photography_Fudji X100T

„Verdammt nochmal, jaaaaaaaa!“, brüllte ich. Zum gefühlten zehnten Mal stolperte ich über meine eigenen Taschen und Gurte, während der rote große Bus genau vor meiner Nase anhielt und meine Mutter mich aufforderte nun endlich zu kommen und keine Bilder mehr zu machen. Wie Menschen nun mal so sind, versuchten natürlich alle gleichzeitig in den Bus zu kommen. Als ginge es um Leben und Tot – und mittendrin war ich. Völlig genervt und kurz vor einem Hitzekollaps. Gibt es sowas überhaupt? Na ja, dabei war es draussen eher kalt und regnerisch. Ich hievte mich also in den Bus rein und fühlte mich plötzlich wieder zurückversetzt in Klasse 6. Da bin ich ab und an mal mit dem Bus zur Schule gefahren und hatte gefühlte 20 Rucksäcke im Gesicht und wurde halb zerquetscht. Wie ihr euch schon denken könnt, war ich in einer Touristenhochburg und mit dem „Hop on Hop off“ Bus unterwegs – in London. Auf dem oberen Bereich des Busses waren noch Plätze frei und ich versuchte mit all meinem Kram durch den Bus zu laufen. Am 3. Sitz blieb ich promt hängen und riss den Bügel meiner Kameratasche ab – umhängen also von dort an Fehlanzeige. In diesem winzig kleinen Treppenaufgang stieß dann noch mein Objektiv gegen das Geländer, welches bis heute eine schöne Narbe hat. Als ich dann endlich auf meinem Platz saß…Na? Wer kann es sich denken? Richtig!!! Es fing an zu nieseln…

Genau in diesem Moment, hatte ich keine Lust mehr, mit schwerer Kamera + Objektiven zu reisen. Damals hatte ich zwar meinen Kamerarucksack noch nicht aber selbst das wäre mir zu nervig gewesen. Schließlich habe ich auch noch private Sachen dabei und diese immer lieber im Rucksack, als einen Trolli hinter mir her zu ziehen – außerdem gehen die bei mir immer viel zu schnell kaputt. Ich suchte also nach Alternativen. Aber es gab nichts, was mich zufrieden stellte. Nach ewigem googeln und Zeitungen wälzen stieß ich dann auf eine kleine schwarze Kamera im „Retro Look“. Voll mein Ding. Außerdem erinnerte sie mich an eine Leica – es war um mich geschehen…

lag hinter der Glasscheibe vom Fotogregor in Köln am Neumarkt. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, erstmal nur zu gucken und mir alles zeigen zu lassen, war es am Ende eher so: „Ahhhh da ist sie, schnell einpacken – bevor alle weg sind“. Im Internet hatte ich mir schon nahezu alle Testberichte und Videos angeschaut. Auch die Berichte vieler Fotografen, welche ich meist immer noch interessanter finde als reine Datenvergleiche. Ich wollte auf jeden Fall eine Kamera, die klein, leicht und handlich ist und dabei dennoch eine sehr gute Qualität aufweist. Ich drucke meine Bilder sehr gerne auch mal in 70cmx100cm aus und da sieht man einfach ob die Qualität gepasst hat. RAW und manuelle Einstellungen waren die Grundvorraussetzungen sowie eine schnelle Aufnahmefunktion. Was mich in den Testberichten sehr neugierig gemacht hat, waren die verschiedenen Filter. Das fand ich gerade für die Reisebilder eine tolle Sache, da ich lange Bildbearbeitungszeiten meide. Die Fujifilm wurde also mein neues Baby…


-Verarbeitung-

Die Fujifilm X100T liegt super in der Hand. Bei meinen kleinen Händen passt sie sogar komplett hinein. Ich komme problemlos an das Zeitwählrad und den Blendenring sowie an die Knöpfe auf der Innenseite. Und das ohne vieles umzugreifen. Sie ist mit ihrem Gewicht von 400g angenehm leicht und lässt sich problemlos den ganzen Tag um den Hals hängen. Bei meiner Canon bekomme ich schon nach einer Weile ziemliche Schmerzen. Der mitgelieferte Tragegurt ist dazu sehr angenehm auf der Haut und schneidet nicht ein. Das Gehäuse besteht aus synthetischem Leder sowie aus Metall und macht die Kamera sehr robust. Ich habe mich für die etwas schlichtere schwarze Variante entschieden aber es gibt auch eine Variante in silber/schwarz, die dem Retro Look noch mehr ähnelt. Das Display zieht sich fast über die komplette Innenseite, was das Betrachten der Bilder unheimlich erleichtert. Alle Funktionsknöpfe sind meines Erachtens sehr gut angeordnet, sodass man sich schnell zurecht findet. Auch die Verarbeitung der Einstellräder ist gelungen. Oft habe ich es erlebt, dass sich die Räder zu leicht oder eben zu schwer drehen lassen. Fujifilm hat es einfach wunderbar hinbekommen, eine qualitativ hochwertige Kamera in ein altes Retro Gehäuse zu verbauen.

Die Seiten des Gehäuses sind übersichtlich. Links findet man einen Umschalter zur Wahl des AF-Modus. Auf der rechten Seite  USB-, HDMI- und einen Mikrofonanschluss. Akku und Speicherkarte verschwinden in einem Schacht, unterhalb der Kamera. Möchte man allerdings ein Stativ verwenden, kommt man an dieses Fach nicht mehr dran.

-Einstellungsmöglichkeiten-

Was mir seit dieser Kamera wieder richtig Spaß macht? Manuell fokussieren. Oft hat man bei Photoshootings gar nicht die Zeit  dazu aber mit der Fujix100t lasse ich mir die Zeit und probiere viel aus. Der Hybrid-Sucher ist dabei richtig praktisch: Man kann per Schieberegler zwischen elektronischem und optischem Sucher wechseln. Das Hauptmenü ist sehr übersichtlich strukturiert und man findet sich sehr leicht zurecht. Dank des Schnellmenüs, kann ich mir meine wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten auf Tasten umlegen und muss beim fotografieren kaum noch ins Hauptmenü. Besonders auf Reisen finde ich die Filter zur Filmsimulation richtig klasse. So kann ich nach dem Urlaub die Bilder direkt für den Blog verarbeiten ohne noch große Bearbeitungen vorzunehmen. Dies gilt allerdings nur, wenn ich im JPG-Format fotografiere. Die RAWs werden zwar mit Filter angezeigt aber in Lightroom sind sie „nackt“. Classic Chrome ist hier meine Standard-Filmsimulation. Gerade im Urlaub werden die Farben wunderschön wiedergegeben.

Die Fuji löst fast lautlos aus, selbst bei langen Belichtungszeiten. Dafür gibt es die BULB-Funktion, sowie  eine T-Funktion. Bei dieser wird die Belichtung mit einem Druck auf den Auslöser eingeleitet und mit einem zweiten Druck beendet. Belichtungszeiten sind bis zu 1/32.000 s möglich. Besonders praktisch ist die WI-FI Funktion. Mit der App Fujifilm Camera Remote lässt sich nicht nur die Kamera steuern, man kann die Bilder auch direkt auf´s Smartphone übertragen und z.B. für Blog/Facebook etc. verwenden.



Die Fujix100t hat keine Motivprogramme oder Vollautomatik. Diese Kamera sollte man sich nur kaufen, wenn man sich mit Blende, Zeit, ISO etc. auskennt:) Ich nutze die Kamera jetzt schon seit über einem Jahr (ja, der Artikel wurde immer wieder zurückgestellt) und ich liebe liebe liebe diese Kamera. Fast alle meine Bilder, z.B aus Afrika, Rom oder Venedig habe ich mit ihr gemacht.

 

 

Written by Jenny Bartsch
Portrait and Documentary Photographer

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