Jenny

Klick! Ich gehe einen Schritt vor. Klick, klick! Mache wieder einen Schritt zurück und schaue nach dem perfekten Blickwinkel und wie das Licht am schönsten wirkt. Mein Model sitzt entspannt und schaut in die Ferne. Ich liebe das! Ich liebe es, wenn das Model nicht in meine Kamera guckt, der Blick nachdenklich abschweift. Diese Blicke sind es, die meine Bilder ausmachen. Ich hasse gekünsteltes Lächeln, gestellte Posen und übertriebene Bearbeitung. Es muss echt sein. So echt, das der Betrachter länger auf meine Bilder schaut und sich im besten Fall darin widerfindet. Ich mag kein übertriebenes Styling, sondern die Einfachheit und Natürlichkeit. Meine Bilder sind Geschichten, meine Gedanken und Erlebnisse. Ich kann nichts fotografieren und es einfach nur „schön“ finden. Fühle ich nichts, verbindet es nichts – lasse ich es bleiben. Es ist mir wichtig, Menschen zu finden, die genau das alles zum Ausdruck bringen können. Meine Bilder bearbeite ich hauptsächlich in schwarz/weiß. Es verleiht dem Bild einen ganz eigenen Charme. Tiefsinniger – emotionaler.

Ich bin nicht der Typ Fotograf, der mit einem ganzen Team anrückt. Jedes Shooting muss für mich etwas besonderes bleiben und darunter verstehe ich, dass Model und Fotograf nicht einfach nur „nette“ Bilder machen. Gespräche und Sympathie sind mir besonders wichtig. Nichts ist schlimmer als wenn man sich unsympathisch ist und das Model im schlimmsten Fall nur noch weg will. Ich unterhalte mich sehr gerne, erzähle viel und bleibe gerne noch nach den Shootings in Kontakt. Ich mag vertrauen und habe so auch immer gerne die gleichen Assistenten dabei – das gibt mir Sicherheit. Da ich hauptsächlich mit natürlichem Licht arbeite, komme ich aber auch oft alleine zu Shootings. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das einfach am besten zu mir und meiner Arbeitsweise passt. Lange habe ich daran gezweifelt und mich an anderen Fotografen orientiert. Heute ist das anders und ich arbeite so wie ich das für richtig halte und mich glücklich macht. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Viele wundern sich immer über meinen Minimalismus. Alles was ich zum Photoshooting mitbringe ist in einer kleinen Ledertasche verstaut. Meine 5D Mark II und mein 50mm f1,2 USM. Mehr brauche ich nicht und damit mache ich zu 99% alle meine Bilder. Ab und an benutze ich noch mein 70-200mm f4. Für meine Reisereportagen benutze ich hauptsächlich mein 35mm f2.0. Ich hasse zoomen und oft ist der Moment bei der ganzen dreherrei schon wieder vorbei und man  hat den Moment verpasst. Wenn ich etwas sehe, was ich unbedingt fotografieren muss, dann gehe ich so nah dran wie es geht. Eine wichtige Eigenschaft, die ich während meines Studiums gelernt habe.

Es ist schwierig seinen ganz persönlichen Stil zu finden. Viele und auch ich orientieren sich zu lange an anderen Fotografen. Das hat mir unendlich viel Zeit gekostet aber heute, genau jetzt, weiß ich was ich will. Was für Bilder ich machen möchte, wie mein Corporate Design aussehen soll und was ich überhaupt vermitteln möchte. Meine Inspiration bin ich selbst und keine anderen Blogs oder Fotografen.

Jenny Bartsch Photography_Fudji X100T