Unser Tag startete wieder mit einem ausgiebigen Frühstück und einem herrlichen Blick auf Camps Bay. Der Wind pfiff uns dabei immer noch genauso stark um die Ohren, wie am Tag zuvor aber ich war guter Hoffnung, dass wir an diesem Tag endlich die wunderschöne Aussicht vom Tafelberg genießen können. Ist der Wind zu stark, bleibt die Seilbahn nämlich geschlossen. Natürlich könnte man auch wandern aber dafür hatten wir leider keine Zeit, denn es stand ziemlich viel auf dem Programm.

Unser Taxi stand pünktlich auf die Minute vor der Tür. Ein älterer Mann begrüßte uns und stellte sich als „Afrika“ vor. Ich war kurz davor zu antworten: „Hi, und ich bin Deutschland“ aber ich verkniff es mir. Vielleicht hätte er meine Ironie falsch aufgefasst. Eigentlich hätte die Fahrt nur knapp 15 Minuten gedauert aber „Afrika“ war völlig in seinem Element und fuhr uns kreuz und quer durch Kapstadt. Dabei erzählte er von seinem Leben und deutete, manchmal auch mitten im Satz, auf Gebäude, Plätze, Bauwerke, ohne auf den Verkehr zu achten. Ein wenig mulmig war mir schon aber seine Erzählungen und Erklärungen waren wirklich spannend, und wann bekommt man schon eine private „Stadtrundfahrt“. Nach knapp 30 Minuten setzte „Afrika“ uns dann am Tafelberg ab, drückte uns seine Karte in die Hand und düste davon.

Wir hatten Glück, der Tafelberg war geöffnet. Nur mit der Schlange an der Kasse hatten wir nicht so viel Glück aber genau in solchen Momenten möchte das Karma nochmal besonders fies sein und hält einem ein Plakat mit der Aufschrift „Tickets online bestellen“ vor die Nase. Beim nächsten Mal bin ich definitiv schlauer. Nachdem wir also unser Ticket nach rund 40 Minuten endlich in den Händen hielten, ging es mit der Seilbahn auf den Berg. Die Aussicht war wunderschön, besonders wenn einem die Wolken um die Nase ziehen. Oben angekommen, weht ein eiskalter Wind – Pullover und am besten ne Mütze einpacken! Beim Anblick, der vielen jungen Engländerinnen im Mini-Rock wurde mir schlagartig noch kälter. Zuvor war ich noch nie wirklich in den Bergen, daher faszinierte mich der Anblick über die Landschaft. Die Wolken kamen direkt auf uns zu, für ein paar Sekunden umhüllten sie mich und zogen dann weiter, den Berg hinab. Unfassbar schön. Wir machten einige Bilder, als plötzlich eine Sirene aufheulte. Bei mir löst das immer direkt Panik aus. Ich sah mich um, versuchte zu verstehen was hier gerade passiert aber alle verhielten sich normal. Dann eine erneute Durchsage:„Bitte begeben Sie sich zu dem Ausgang, der Wind wird zu stark. Der Tafelberg wird geschlossen“. Einige stellten sich brav am Ausgang an, andere liefen immer weiter in die Wolkenfront hinein aber wir blieben in der Nähe vom Ausgang und schauten uns einfach nur die Wolken an. Nach 30 Minuten war die Schlage immer noch genauso lang und von unten wurden fleißig weiter Menschen auf den Berg befördert. Nach zwei Stunden und eingefrorenen Füßen kam endlich die letzte Seilbahn. Wir waren nur noch sieben Leute und heilfroh, dass es unten wieder angenehme 23 Grad warm war.

Infos zum Tafelberg: 
  • Die 1.224 m lange Auffahrt dauert sieben Minuten. Während dieser Zeit rotiert die Gondel um 360°.
  • Der Tafelberg ist 1.086 m hoch.
  • Zum Tafelberg gehören auch der Devil’s Peak, der Lion’s Head, der Signal Hill und die Berge der Zwölf Apostel.
  • Ca. 1400 Pflanzenarten
  • Die Seilbahn fährt täglich von 8:30 – 17:30 Uhr, im Sommer bis 20:00 bzw. 21:00 Uhr.
  • Preise und alle anderen Infos findet ihr hier.









 

 

Nachdem wir den Tafelberg, im Auto von zwei deutschen Backpackern wieder verließen, fuhren wir in die Innenstadt. Oh Gott, nie wieder mit dem Auto da rein. Das ist ein schlimmeres Verkehrschaos als in Bonn, und das ist schon die Hölle. Wir suchten vergebens nach einem Parkplatz oder einem Parkhaus. Drehten endlose Runden durch die Stadt, bis wir zufällig an einem Parkhaus vorbeifuhren. „Egal was es kostet, rein da“! Wir liefen zunächst über die bekannte „Long Street“. Hier findet man zahlreiche Restaurants, Cafés, Pubs aber auch viele  Trödel- und Antiquitätenläden. Die Märkte fand ich besonders schön, hier fand sich wenigstens noch ein bisschen „Afrika“ wieder. Irgendwie wirkt es seltsam, wenn man Händler mit Holzfiguren sieht und im Hintergrund ist ein BurgerKing. Passt überhaupt nicht. Die Long Street ist heute übrigens noch 3,2 km lang – mir fällt für die Innenstadt nur ein Name ein: „Klein New York“. Für ein Mittagessen suchten wir uns ein kleines Café und fanden das „Breakaway“. Bei einem frisch gepressten Orangensaft und einem Sandwich, suchten wir den Weg zu einem anderen Stadtteil…

Viele Fotografen fotografierten hier wunderschöne Strecken und ich wollte mir unbedingt die Locations anschauen. Also liefen wir quer durch die Stadt, in den Ortsteil „Bo Kaap“ (deutsch: Über dem Kap). Bo-Kaap liegt zwischen dem Stadtzentrum und dem Hang des Signal Hill. Der Bahnhof „Cape Town“ liegt nur knapp 1km entfernt. Etwa 6000 Einwohner leben hier und dazwischen gibt es zehn Moscheen. Sehen die vielen bunten Häuser nicht super schön aus? Wie gerne würde ich auch in so einer Straße wohnen, besonders toll finde ich ja das schwarze Haus:)

Das Parkhaus kostete übrigens für knapp fünf Stunden umgerechnet nur 3,50 Euro:)

 

In Deutschland hieß es, wir müssten uns unbedingt die Waterfront anschauen, das ehemalige Hafengebiet der Stadt. Als wir nach einem längeren Fußmarsch endlich da waren, fand ich es aber irgendwie enttäuschend. Auf mich wirkte es total künstlich und unreal. Natürlich sieht alles ganz hübsch und ordentlich aus aber es passt nicht zu Südafrika. Es wirkte aufgesetzt! Man könnte genauso gut in den USA sein. Das einzige, das noch auf Afrika schließt, waren die Tänzer vor der großen Shopping-Mall. Im inneren findet man, verteilt auf drei Etagen alles, was das Herz „begehrt“. Meins begehrte allerdings gar nichts und ich wünschte mir kleine einheimische Läden zum stöbern. Die Restaurants waren alle voll und die vielen Menschen in teuren Sachen und schicken Sonnenbrillen gingen mir auf den Keks. Ich kann das nicht recht beschreiben aber ich war genervt von diesem Luxus und dachte an die unzähligen Townships, welche keine 20km entfernt lagen.

Noch ein paar Infos zur Waterfront:
  • 270 Geschäfte, 50 Restaurants, 10 Pubs, 7 Hotels, 6 Museen, Hunderte von Büroräumen, luxuriöse Wohnungen
  •  pro Jahr um die 30 Millionen Besucher
  • Wurde Anfang der 90er Jahre zur Touristenattraktion Nr. 1
  • Eine der erfolgreichsten Investitionen Südafrikas





An einem Tag schafft man natürlich nicht wirklich viel, daher haben wir uns auf die „beliebtesten“ Ziele gestürzt. Gerne hätten wir z.B. noch einen Rundflug gemacht, aber den werde ich mir dann für das nächste Mal aufheben.

Hier noch ein paar Tipps, für mehr Zeit in Kapstadt:
  • Gefängnisinsel Robben Island besuchen.
  • Durch den Neighbour Goods Market in der Old Biskuit Mall schlendern.
  • Botanische Garten von Kaptadt
  • Fallschirmsprung vom Lion`s Head
  • Hubschrauberrundflug
  • Die Aussicht vom Castle of Good Hope bewundern.
  • Sich mit dem Thema „Townships“ auseinander setzen und diese evtl. anschauen.
  • Open Air Konzerte besuchen
  • Eine Stadtrundfahrt mit dem „Hop on, Hop off“ Bus machen.
  • District Six Museum besuchen

In meinem letzten Beitrag findet ihr Tipps für die Umgebung.

 

Den Sonnenuntergang schauten wir dieses Mal am Strand von Camps Bay. Unzählige Menschen tummelten sich zwischen den großen Steinen, fotografierten die Sonne oder beobachteten den Sonnenuntergang von den Cafés aus. Hinter uns leuchteten die zwölf Apostel und während ich sie ansah, fühlte ich mich winzig klein, gegenüber der Natur. Ich merkte, das es mich nach all der Zeit in Afrika, lieber in die Natur zieht als in die große Stadt. Das mich der Geruch von frischer Meeresluft und staubigem Sand mehr fasziniert als die Abgase der Stadt.

Der Wind wurde wieder stärker, wir schlenderten noch eine Weile durch den warmen Sand und schlossen unseren Tag mit einem leckeren Abendessen ab. Das größte Abendteuer stand uns noch bevor…

Written by Jenny Bartsch
Portrait and Documentary Photographer

    1 Kommentar

  1. Bablofil 10. Januar 2017 at 4:52 Antworten

    Thanks, great article.

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