Ich liebe Schweden und ich wollte so gerne noch einmal nach Stockholm reisen. 2013 war ich zum ersten Mal dort und Stockholm ist einfach nur so unglaublich schön. Wer Hamburg mag, wird Stockholm lieben.

Damals wollte ich aber in kein Hotel. Zu dieser Zeit war ich beruflich nur unterwegs und hatte die Nase von Hotels gestrichen voll. Meine Freunde konnten das nicht wirklich nachvollziehen:„Du bist immer unterwegs und siehst so viel. „Nein, ich arbeite, da sehe ich den Termin und das Hotel“. Also suchte ich im Internet nach einer Ferienwohnung. Auch wenn ich immer sehr skeptisch war und dachte: “Ja, wer weiß was das dann für Leute sind und dann machen die nicht die Tür auf oder zocken dich ab”. Aber es kam alles ganz anders. Ich habe die Traumwohnung schlecht hin gefunden und die Besitzerin war so herzlich, lieb und hat uns sogar Kuchen gebacken. Die Wohnung liegt direkt in Hornstull an der U-Bahnstation, in einem an der Straße gelegenen Haus. Da die Wohnung nach hinten heraus geht ist es sehr ruhig und vom Verkehr hört man absolut nichts. Daher wollte ich dieses Jahr unbedingt wieder dort hin und es hat geklappt. Die ersten 3 Tage haben wir in Stockholm verbracht und sind mit den Fahrrädern von Insel zu Insel gefahren. Ein bisschen Sightseeing quasi. Mehr über Stockholm werde ich aber in einem separaten Artikel schreiben….

Wir hatten uns überlegt, dass wir gerne in den zehn Tagen ein bisschen Abenteuer erleben möchten und kamen auf die Idee eine dreitägige Kanutour zu starten. Ganz alleine, ohne andere Menschen und mal komplett abgeschottet von der Außenwelt. Keine Handys und keinen anderen Schnick-Schnack. Im Internet sind wir dann auf die Seite Kanotkungen gestoßen und dachten uns:„Fragen wir doch einfach mal nach und erkundigen uns nach den Routen und dem Ablauf“. Keine zwei Stunden später kam eine sehr freundliche Antwort und es lag nur noch ans uns, ihnen unsere Adresse für alle Unterlagen zu übersenden. Nur wenige Tage später kam ein großer Umschlag mit Routen und Infos – da haben wir direkt gebucht.

Ich hatte sowas zuvor noch nie gemacht und war ziemlich überfordert, was ich denn nun alles einpacken muss und was wir alles brauchen. Also sind wir nach Köln zum Globetrotter gefahren und haben uns inspirieren lassen. Zum Glück hatte ich jemanden an meiner Seite, der sich bestens auskennt und auf den ich mich verlassen konnte. Gekauft wurden also Wasserschuhe, ein wasserdichter Sack für Kleidung/Rucksäcke und ein paar Utensilien zum Kochen. Mit zwei großen Rucksäcken machten wir uns wenige Tage später auf den Weg zum Hauptbahnhof von Stockholm. Auf Maps hatten wir uns den Weg zum Kanuverleih sowie die Bahnverbindungen im voraus rausgesucht. Schien auf den ersten Blick alles gar nicht so weit. Mit dem Zug fuhren wir bis zu Haltestelle „Läggesta“. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und schon beim rausschauen aus dem Fenster verliebt man sich in die tolle Landschaft von Schweden.

Von Läggesta ging es zu Fuß Richtung Wahrendorff. Wir hatten uns dafür entschieden, den Weg zu Fuß zu gehen. Es fährt aber auch ein Bus direkt vom Bahnhof. Nach ca. 3 km konnte man den See schon sehen und plötzlich hielt ein Auto neben uns. Ein älterer Mann sprang aus dem Auto und fragte, ob wir zum Kanuverleih möchten und ob mein Name Jenny Bartsch sei. Ich nickte leicht verwundert. Die Miene des Mannes wurde freundlicher und er stellte sich als der Besitzer von Kanotkungen vor und fragte, ob er uns mitnehmen dürfe. Ich war immer noch skeptisch, ganz nach dem Satz meiner Mama:„Steig nie zu fremden ins Auto“. Doch als er meinte, dass er uns schon von der anderen Seite des See´s gesehen habe und uns den Weg ersparen möchte, fühlte ich mich wieder sicherer. Er fuhr uns zum Supermarkt und anschließend zur Anlegestelle am See. Er gab uns einiges an Kartenmaterial und erklärte uns die Route. Schließlich fiel uns ein, dass wir ja noch ein Zelt und Isomatten benötigen. Aber auch das war kein Problem, denn gegen eine Leihgebühr kann man sich bei Kanotkungen alles leihen und muss eigentlich keine großen Sachen aus Deutschland mitbringen. Keine 10 Minuten später waren wir auf See.

 

Am ersten Tag mussten wir knapp 12 km paddeln um an der Insel anzukommen, auf der wir schlafen wollten.  Die ersten Kilometer waren wie im Film und die Landschaft einfach klasse. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir mit dem Kanu angehalten haben und uns auf Klippen gesetzt haben. Die Ruhe war so unfassbar angenehm. Über den Ort Laxne hinweg paddelten wir im übertriebenen Gegenwind bis zu der 2. Insel nähe dem Ufer. Auf der Insel war kein Mensch, allerdings gab es schon einige Feuerstellen, immerhin war das hier eine beliebte Route. Feuer machen, Zelt aufbauen und erst dann wurde gegessen. Stockbrot und Würstchen. Ich muss zugeben, dass ich ein echter Schisser geworden bin. Jedes Geräusch hat mich wach gehalten und am liebsten hätte ich mir irgendwelche Schlaftabletten eingeworfen. Aber meine Ängste waren am nächsten Morgen wie weggeweht – der Sonnenaufgang und das tolle warme Wetter haben alles wieder gutgemacht. Die nächsten 13 km mussten in Angriff genommen werden.

Der zweite Tag war geprägt von Gegenwind und unendlicher Hitze, wobei Regen wohl das schlimmste gewesen wäre, was uns hatte passieren können. Die Route führte uns an einem Freibad vorbei, wo wir das erste Mal wieder Menschen gesehen haben. Es ging weiter durch einen kleinen Kanal bis hin zu einem großen See an der Ortschaft „Gähnst“. Nach diesem See folgte wieder ein kleiner Kanal parallel zur Astra Storgatan. Es hätte nicht mehr schlimmer kommen können aber es folgte wieder ein großer See. Immer am Ufer entlang, kamen wir gegen 18 Uhr auf der Insel an. Diese Insel war deutlich großer als die letzte aber auch hier war keine Menschenseele.

Der dritte und letzte Tag war der schlimmste. Knapp 3 Stunden auf einem See und das bei Gegenwind. Als der Ort Sille endlich zu sehen war, war ich sichtlich erleichtert. Meine Arme taten weh und irgendwie war die Lust zum Paddeln leicht gesunken. Es ging die letzten Kilometer weiter auf einem Kanal – Entspannung pur. Kein Wind, keine „Wellen“ und kein übertriebenes Paddeln um vorwärts zu kommen. Doch dann kam ein Hindernis, welches nicht in der Karte eingezeichnet war. Ein kleines Wehr. Im Kanu lag alles herum, meine Kamera, alle Rucksäcke sowie die Karten. Auf den letzten Metern wollte ich nicht das unsere Sachen im Kanal unter gehen und sprang deshalb hektisch aus dem Kanu um zu verhindern das alles rausfällt oder ich selber mit umkippe. Naja das Wasser war wohl tiefer als gedacht und ich war von oben bis unten klitsch nass. Es wäre ja nicht so gewesen, dass in 200 Metern das Ziel gewesen wäre. Naja lustig war es im Nachhinein ja doch. In Vagnhärad holte der Besitzer vom Kanuverleih sein Kanu und alle anderen ausgeliehenen Sachen wieder ab und wir machten und zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof.

Written by Jenny Bartsch
Portrait and Documentary Photographer

    2 Kommentare

  1. Melissa 21. März 2017 at 20:27 Antworten

    Hey Jenny, wie habt ihr den Anbieter damals kontaktiert? Und kannst du dich noch daran erinnern was ihr bezahlt habt?
    Liebe Grüße

    • Jenny Bartsch 22. März 2017 at 10:13 Antworten

      Hallo Melissa:)
      wir haben denen einfach ne Mail geschrieben. Habe eben nochmal in meinem E-Mail Postfach geschaut.
      Die Adresse ist: christer.andersson@kanotkungen.se

      Flyer und Broschüren haben sie uns dann kostenlos zugeschickt. Auf der Webseite stehen auch die Preise. Was wir bezahlt haben weiß ich leider nicht mehr genau, wir hatten allerdings auch noch ein Zelt, einen wasserdichten Rucksack und einen Schlafsack dazugekommen. Daher können die Preise variieren. Aber teuer war es nicht! In dem Flyer ist es aber auch ein bisschen verständlicher verfasst;) Wenn du noch Fragen hast, schreib mir gerne eine Mail an info@jennybartsch.de

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