Als ich meine Augen öffnete, war da nichts! Gar nichts. Nur ich, die Luft die mich umgab und mein Atem. Ich genoss die Ruhe, atmete tief durch und dachte an die Tage, die noch vor mir lagen. Nur langsam stand ich auf und ging zum Fenster. Die Sonne kitzelte mich und ich schob langsam die Vorhänge zur Seite. Als ich meine Augen wieder schloss, war da nichts! Gar nichts! Nur ein Moment voller Glücksgefühle.

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Ich warf meine Sachen in den Koffer und lief zum Auto. Ich freute mich tierisch auf die lange Autofahrt zum Etosha – Nationalpark. Wenn ich in Deutschland fünf Stunden Auto fahren muss, bin ich schon beim einsteigen super gestresst aber in Namibia machte mir selbst das nichts aus. Ich wusste, das ich eine wunderschöne Landschaft zu sehen bekommen werde. Als das Auto endlich mit allen Koffern beladen war, fuhren wir bei knapp 15 Grad und bewölktem Himmel in Swakopmund los. Schon nach 30 Minuten Fahrt wurde es tierisch warm und die Sonne knallte ins Auto. Endlich Afrika-Feeling…

AUF DEM WEG ZUM ETOSHA NATIONALPARK

An der ersten großen Kreuzung dann die Verwirrung. Navi gegen GoogleMaps. Wem vertraut man an dieser Stelle? Ganz klar GoogleMaps und so sparten wir uns knapp eine Stunde Fahrzeit. Das Navi von Sixt war leider alles andere als „Up to Date“ und wurde schon nach wenigen Minuten aus dem Verkehr gezogen. Wir fuhren oft für Stunden einfach nur gerade aus, ohne Menschen oder anderen Autos zu begegnen. Das letzte Stück führte uns knapp 80km über eine breite Schotterstraße (hier die eine Stunde Zeitersparnis) und ich war so dankbar über unsere Autowahl. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre mit meinem Ford Fiesta da drüber geheizt, wäre von meinem Auto absolut nichts mehr übrig. Nach knapp 5 Stunden erreichten wir den Ort Outjo. Hier sollte man auf jeden Fall noch einmal volltanken oder sich mit Wasser und ein paar Lebensmitteln eindecken. Von Outjo fährt man noch knapp eine Stunde bis zum „Anderson Gate“. Dem Eingang zum Etosha Nationalpark. Es gibt natürlich auch noch andere Eingänge, wie z.B.

  • Von Lindequist Tor
  • King Nehale Lya Mpingana Tor
  • Galton Tor

INFOS ZUM PARK

Im Park gibt es sechs verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten. Wir haben uns für zwei Nächte im Okaukuejo Rest Camp entschieden. Hier hat man die Möglichkeit zu tanken, einzukaufen und sich zwischen verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten zu entscheiden. Wir wollten gerne nah am Wasserloch wohnen und haben ein „Waterhole Chalet“ gemiedet. Die Chalets erstrecken sich dann in einem Halbkreis um das Wasserloch herum und von der Terrasse aus, kann man jeden Abend ein herrliches Spektakel beobachten. Die Zimmer waren sehr sauber und ordentlich und hatten ein eigenes Bad. Auf der Webseite http://www.etoshanationalpark.org/de/ könnt ihr euch alle Unterkünfte anschauen. Hier noch ein paar Infos zum Park:

  • Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 60 km/h festgelegt, Cabrios und Motorräder sind nicht erlaubt.
  • Niemals das Auto verlassen (außer im Camp natürlich)
  • Die Camps sollten immer vor Sonnenuntergang erreicht werden und erst nach Sonnenaufgang verlassen werden. Im November wurden die Tore gegen 19:00 Uhr geschlossen.
  • Bis zu 140 Arten von Säugetieren und knapp 300 Arten von Vögeln sind im Park zu finden.
  • 5000 Quadratkilometer große Salzpfanne
  • 22 000 km Gesamtgröße
  • Im Okaukuejo Rest Camp gibt es auch geführte Touren.

DAS ABENTEUER KANN BEGINNEN

Nachdem wir den Eintritt am Gate gezahlt hatten, fuhren wir knapp 20km bis zum Camp. Nach nur wenigen 100m schrie ich schon völlig hysterisch: „Ah, guck mal, eine Giraffe!!!“. Ich war hin und weg und wollte am liebsten jetzt schon auf große Safari Tour gehen aber leider ließ die Zeit es nicht mehr zu und wir mussten schließlich erstmal unsere Unterkunft erreichen. Nachdem wir eingecheckt hatten, lief ich wie ein kleines Kind mit meiner Kamera zum Wasserloch. Die Koffer ließ ich mitten auf dem Weg stehen und staunte nicht schlecht, als sich drei Elefanten am Wasserloch aufhielten. Das erste Mal in meinem Leben sah ich Elefanten in freier Wildbahn. Meine Kamera lief auf Hochtouren, da ich nicht wusste, ob ich in den zwei Tagen noch einmal die Gelegenheit bekommen würde, die Elefanten zu sehen. Gegen halb acht ging es dann zum Abendessen im offenen Restaurant. Wirklich, ich habe noch nie so gut gegessen wie in Namibia. Das Essen ist ein Traum!! Sehr gesund und man wird auch von kleinen Portionen satt. Später ging es dann wieder zum Wasserloch. Ich kann es in Worten nicht beschreiben, wie es sich angefühlt hat, dort zu sitzen. Man schaut gespannt auf das Wasserloch, beobachtet und es ist mucksmäuschenstill. Man hört nur die Vögel und ab und an Tiere aus der Ferne. Niemand sagte ein Wort – Stille. Die vollkommende Entschleunigung von meinem hektischen Alltag in Deutschland. Ich liebe Stille.

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Direkt nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke, alle Kameras und fuhren in Richtung Halali Camp. Diese Strecke wurde uns empfohlen, da man hier wohl die meisten Tier zu sehen bekommt. Wenn man sich ausschließlich auf der Hauptstraße bewegt, fährt man ca. 70km bis man am Camp ankommt. Wir haben allerdings vier Sunden gebraucht, da es ständig irgendwo Abzweigungen oder Wasserlöcher gibt. Kurz nachdem wir unser Camp verlassen hatten, folgten wir also jedem Schild und jeder Abzweigung um so viel wie möglich zu sehen. Es dauerte auch gar nicht lange, da liefen uns die ersten Zebras, Gnus, Springböcke, Oryx und viele viele andere Tiere vors Auto. Perfekt für meine Kamera aber irgendwie wollte ich auch gar nicht zu viele Bilder machen, stattdessen eher den Moment genießen. Meine Kameraausstattung bestand aus:

  • Canon EOS 5D Mark II
  • Canon 70-200mm f4.0
  • Fuji X100t (35mm)
  • GoPro (so ein 70 Euro Ding von Amazon – bisher keine Kohle für eine originale aber funktioniert auch prima)
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Als wir dann im Halali Camp ankamen, kauften wir ein paar Souvenirs und machten uns auch recht schnell wieder auf den Rückweg. Mir persönlich hat das Halali Camp nicht so gut gefallen, da es recht ungemütlich wirkte und sehr voll. Am Abend setzten wir uns wieder ans Wasserloch und laaaaaange Zeit passierte gar nichts. Doch dann!! Meine Augen starrten in die Dunkelheit und erkannte sie schließlich. Drei vom Aussterben bedrohte Spitzmaulnashörner liefen auf das Wasser zu. Dann traten plötzlich noch sechs Giraffen aus den dichten Büschen hervor und man spürte förmlich ihre Angst. Zwei Stunden saßen wir einfach nur da und beobachteten die Tiere. Wahrscheinlich wird es für mich das erste und letzte Mal gewesen sein, dass ich ein Nashorn in freier Wildbahn gesehen habe. In diesem Moment wurde mir wieder klar, wie abscheulich die Menschheit ist. Tiere werden misshandelt, gequält, getötet und das aus für mich unverständlichen Gründen. Wie kann man einen Elefanten töten nur wegen des Elfenbeins? Wie kann man den Regenwald abholzen? Es gibt so vieles, was ich nicht verstehe aber wogegen ich nichts unternehmen kann, solange es Geld auf dieser Welt gibt.

Und Geld die Menschen regiert…

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Auto nicht über die C38 sondern bogen nach dem Gate direkt links ab. Einen recht langen Teil der Strecke war es sehr grün und wir dachten jeden Moment: „Jetzt müssen wir doch mal einen Elefanten sehen“. Aber leider hatten wir kein Glück. Auch sonst war die Strecke sehr unbefahren und wir sahen selten Tiere. Aber so ist das machmal. Dann sehe ich lieber keine Tiere, als Tiere die nur zu Touristenzwecken an Orte getrieben werden. Naja, ein wenig Glück hatten wir an diesem Tag aber dennoch. Ich wollte gerade wenden, als wir mitten in einer Zebraherde standen. Ca. 70-80 Zebras liefen an unserem Auto vorbei  – das sah großartig aus. Der blaue Himmel, die Zebras und der aufgewirbelte Staub. Ich konnte gar nicht aufhören Fotos zu machen. Ihr werdet die Bilder in der Collage direkt erkennen. Gegen 13:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück ins Camp, da wir an diesem Tag den Park auch schon wieder verlassen mussten. Nachdem wir das Auto geparkt hatten und zu unserer Unterkunft liefen, konnte ich es kaum glauben!!! Am Wasserloch standen ganze Elefantenfamilien. Ich bekam also doch noch einmal die Gelegenheit Elefanten zu fotografieren und war einfach glücklich. Über eine Stunden sahen wir ihnen einfach nur zu und studierten ihr Verhalten.

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Gegen 16:00 Uhr erreichten wir dann unsere nächste Unterkunft. Knapp 30km vom Anderson Gate entfernt, liegt mitten in den Bergen die „Epacha Lodge“. Hier kann man sich zwischen festen Unterkünften oder Zelten entscheiden. Entschieden haben wir uns für eine Übernachtung in einem der großen Zelte. Ich muss zugeben, dass ich dabei an ein klassisches Zelt dachte und in meinem Kopf schon wieder alle Horrorszenarien abliefen. Aber als ich dann vor dem Zelt stand, war ich hin und weg. Eingerichtet wie ein richtiges Hotelzimmer, mit großem Bett, einem Bad und einem Wohnzimmer. Dazu eine Terrasse mit dem schönsten Ausblick auf die Berge und einer super schönen Badewanne. Hier könnt ihr euch die Lodge anschauen: Epacha Lodge

Nach einem sehr leckeren Abendessen im Hauptgebäude, genossen wir den Sonnenuntergang auf unserer Terrasse. Ich hatte seit vier Tagen kein W-Lan mehr und es war prima. Keine Minute habe ich das Internet vermisst und war ehrlich gesagt ziemlich froh, dass ich Zeit für mich hatte. Um nachzudenken, um zur Ruhe zu kommen, um einfach Zeit sinnvoll zu nutzen. Am nächsten Morgen nutzte ich natürlich die Badewanne auf der Terrasse und schaute mir den Sonnenaufgang an. Wann bekommt man schon so eine Gelegenheit:) Nachdem wir wieder alles gepackt hatten, ging es auf nach Windhoek. Die Fahrt dauerte knapp fünf Stunden und zog sich gefühlt ins unermessliche. Gegen 14:00 Uhr trafen wir dann in unserer nächsten Unterkunft ein. Eine sehr schöne kleine Anlage mit gemütlichen Zimmern und einem sicheren Parkplatz (wichtig!!) Hier die Unterkunft: Maison Ambre

DANN DER SCHOCK

WO IST MEIN MACBOOK? Mir wurde von jetzt auf gleich schlecht, kalt und ich bekam leichte Schweißausbrüche. Mein erster Gedanke: „Es wurde geklaut“! Ich durchwühlte meinen Koffer, meinen Rucksack, das Auto aber es war nicht da. Alle meine Bilder also weg! Wir suchten schon die Telefonnummer von der Epacha Lodge raus und planten eine 10-stündige Autofahrt als ich am Seitenfach meines Koffers mein Macbook entdeckte. Naja, mit Katastrophen kann ich Leute auf jeden Fall im Urlaub ganz schön aus der Ruhe bringen 😀 Abends fuhren wir in das nur 3km entfernte „Joe´s Beerhouse“. So eine Location für ein Restaurant habe ich noch nie gesehen und war auch beim Essen total abgelenkt. Solltet ihr also mal in Windhoek sein, müsst ihr dort hingehen. Auf der Webseite könnt ihr euch einen Eindruck machen.

Gegen 11:00 Uhr am nächsten Tag gaben wir am Flughafen unser Auto zurück und durften feststellen, dass unser Flug von 14:00 Uhr auf 16:00 Uhr verschoben wurde. Als wir dann um 15:00 Uhr pünktlich am Schalter standen, hieß es: „Sorry, you are not in the system“. Whattttt? Wieso denn das nicht? Naja, die Frau spürte wohl meinen Puls und tippte wie wild auf ihrer Tastatur rum. Nach ewigen 10 Minuten drückte sie uns dann doch noch zwei Tickets in die Hand. „Cheapticket“ werde ich definitiv nicht mehr nutzen.

AUF NACH KAPSTADT…

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Written by Jenny Bartsch
Portrait and Documentary Photographer

    1 Kommentar

  1. Luisa 12. Dezember 2016 at 4:47 Antworten

    Wow! Habe mir extra Zeit genommen um die Fortsetzung von „Namibia Roadtrip Teil 1“ zu lesen. Es hat sich gelohnt! Teil 2 ist super erzählt und man bekommt das Gefühl dabei gewesen zu sein. Zudem liebe ich deine Bilder 😍

    Bin schon auf die nächsten Berichte deiner Reise gespannt!

    Lg

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